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Kehlmann, Daniel. –  F : Roman / Daniel Kehlmann. –  Reinbek : Rowohlt, 2013

Es ist der Sommer vor der Wirtschaftskrise. Martin Friedland, katholischer Priester ohne Glauben, übergewichtig, weil immer hungrig, trifft sich mit einem Halbbruder Eric zum Essen. Der hochverschuldete, mit einem Bein im Gefängnis stehende Finanzberater hat unheimliche Visionen, teilt davon jedoch keinem etwas mit. Schattenhafte Männer, sogar zwei Kinder warnen ihn vor etwas, nur: Gelten diese Warnungen wirklich ihm, oder ist etwa sein Zwillingsbruder Iwan gemeint, der Kunstkenner und Ästhet, der ihm zum Verwechseln ähnlich sieht? Schon nimmt das Unheil seinen Lauf.

Auszug, Seite 7:

Jahre später, sie waren längst erwachsen und ein jeder verstrickt in sein eigenes Unglück, wusste keiner von Arthur Friedlands Söhnen mehr, wessen Idee es eigentlich gewesen war, an jenem Nachmittag zum Hypnotiseur zugehen. Es war das Jahr 1984, und Arthur hatte keinen Beruf. Er schrieb Romane, die kein Verlag drucken wollte, und Geschichten, die dann und wann in Zeitschriften erschienen. Etwas anderes tat er nicht, aber seine Frau war Augenärztin und verdiente Geld. Auf der Hinfahrt sprach er mit seinen dreizehnjährigen Söhnen über einen Zeichentrickfilm, der gerade im Kino lief und von einem Roboter handelte, der auch der Erlöser war, sie stellten Hypothesen darüber auf, warum Yoda so seltsam sprach, und sie fragten sich, ob wohl Spiderman stärker war als Batman. Schließlich hielten sie vor Reihenhäusern einer Straße in der Vorstadt. Arthur drückte zweimal auf die Hupe, Sekunden später flog eine Haustür auf. 

Auszug, Seiten 279-281:

Alle Mussen sind voll von Fälschungen, na und? Die Herkunft von allem und jedem in dieser Welt ist unsicher, bei der kunst ist kein Zauber im Spiel, und keines Engels Flügel hat die großenWerke gestreift. Dinge der Kunst sind Dinge wie alle anderen: Manche sind äußerst gelungen, aber keines stammt aus einer höheren Welt. Dass einige mit dem Namen dieses oder jenes Menschen verknüpft sind, dass einige teuer verkauft werden und andere billig, dass einige weltbekannt sind und die meisten nicht, das unterliegt vielen Kräften, aber keine davon ist überirdisch. Und auch Fälschungen müssen nicht gelungen sein, um ihren Zweck zu erfüllen: Perfekte Nachahmungen können entlarvt, unvollkommene aufgehängt und bewundert werden. Fälscher, die stolz auf ihre Arbeit sind, überschätzen genau wie alle Laien die Bedeutung des soliden Könnens: Handwerk kann jeder lernen, der nicht ganz ungeschickt ist und sich bemüht. Es hat schon seine Richtigkeit, dass es in der Kunst an Bedeutung verlor, es hat Sinn, dass die Idee hinter dem Werk wichtiger wurde als dieses selbst; Museen sind sakrale Institutionen, die sich überholt haben, das sagt die Avantgarde seit langer Zeit und seit langer Zeit zu Recht.

Aber Städtebesucher wollen ja irgendwohin gehen, wenn die Nachmittage lang sind, und ohne Museen blieben viele Seiten in den Reiseführern leer. Da es Museen geben muss, müssen sie auch etwas ausstellen, und das muss ein Ding sein, kein Gedanke, ebenso wie Sammler nun mal etwas aufhängen wollen, und aufhängen kann man Bilder besser als Ideen. […].

Oft denke ich an die Künstler des Mittelalters. Sie signierten nicht, sie waren Handwerker, die Gilden angehörten, sie waren verschont von der Krankheit, die man Ehrgeiz nennt. Kann man es noch machen wie sie, kann man arbeiten, ohne sich wichtig zu nehmen – malen, ohne Maler zu sein?

Informationsquellen im Netz:

Der Autor: http://www.kehlmann.com/

Zeitungsartikel:

Die ZEIT: http://www.zeit.de/2013/35/literatur-daniel-kehlmann-roman-f

SPIEGEL: http://www.spiegel.de/kultur/literatur/daniel-kehlmann-neuer-roman-f-a-918780.html

FAZ: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/thema/daniel-kehlmann

Sueddeutsche Zeitung: http://www.sueddeutsche.de/kultur/neuer-roman-f-von-daniel-kehlmann-wofuer-das-f-wort-steht-1.1759051

Neue Zürcher Zeitung: http://www.nzz.ch/aktuell/feuilleton/literatur/meister-der-manege-1.18145933

Hörbeispiel: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/bilder-und-zeiten/hoerprobe-daniel-kehlmann-f-12553115.html

 

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