haarmann_weltgeschichte_der_sprachen

Weltgeschichte der Sprachen : von der Frühzeit des Menschen bis zur Gegenwart / Harald Haarmann. – München : C.H. Beck, 2006. – 397 p. : ill. . – (Beck’sche Reihe ; 1703)

“Im 19. Jahrhundert haben Wissenschaftler versucht, die Sprachenvielfalt systematisch darzustellen, um von hier aus ihren Ursprung zu erkunden. Sprache galt als wichtiges Merkmal nationaler Identität. Die “Reinheit” der Nation sollte sich auch in der Reinheit, Unvermischtheit und altherwürdigen Tradition der Sprache erweisen. Die Rekonstruktion einer Protosprache der Indoeuropäer oder Uralier warsolchen Idealen verpflichtet. Damit hing die Vorstellung zusammen, man könne Sprachverwandtschaften in der Form von Stammbäumen veranschaulichen. […].
Erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde der Vergleich mit Stammbäumen zunehmend in Frage gestellt. Die Idee lokal isolierter “Ursprachen” ohne Aussenbeziehungen ihrer Sprecher zu Nachbarkulturen wure aufgegeben, ebenso die Vorstellung von einheitlichen Proto-Sprachen ohne interne soziale oder dialektale Variation. […] Neue Sprachen haben meist verschiedene Wurzeln. Die Geschichte der Sprachen gleicht eher einem komplizierten Geflecht als einem sich immer weiter verästelnden Baum. […]”

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